Waltherplatz

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Der Waltherplatz: Die Loge von Bozen

Wenn du nach Bozen kommst, führt kein Weg an ihm vorbei: dem Waltherplatz. Er ist das „Wohnzimmer“ der Stadt, der Ort für den ersten Espresso am Morgen oder den obligatorischen Aperitiv am Abend. Hier sitzt man am besten draußen, um den Besuchern beim Flanieren zuzuschauen und die vorbei eilenden Geschäftsleute zu beobachten. Aber der Platz ist nicht allein eine hübsche Kulisse mit Cafés, Hotels und Geschäften – er ist ein geschichtsträchtiges Pflaster, das schon fast alles gesehen hat.

Ein bayerisches Schnäppchen: Wie alles begann

Es klingt heute fast unvorstellbar, wenn du über die Pflastersteine läufst – aber das hier alles war ein einziger großer Weinberg. Bis 1808 wuchsen hier noch Reben und das Ganze gehörte dem Königreich Bayern. Der bayerische König Maximilian I. verkaufte das Grundstück damals für schlappe 3000 Gulden an die Stadt Bozen – unter der Bedingung, dass daraus ein öffentlicher Platz wird.

Anfangs war das Ganze nur eine riesige Fläche aus gestampftem Boden, aber der Tourismus-Boom der Eliten ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem der Wiener Hof entdeckte Bozen für sich. Wo früher das alte Wirtshaus „Zum Schwarzen Greif“ aus dem 16. Jahrhundert stand, entstanden schicke Hotels wie das Greif, um die feine Gesellschaft unterzubringen – die wegen des milden Klimas und der mittelalterlichen Gassen in die Stadt strömte.

Namens-Karussell und politische Machtspiele

Kaum ein Platz hat so oft seinen Namen gewechselt wie dieser. Je nachdem, wer gerade das Sagen hatte, hieß er anders: Zuerst Maximilianplatz, dann Johannsplatz, dann kam der Waltherplatz. Die Faschisten tauften ihn nach dem italienischen König Vittorio Emanuele, zwischendurch hieß er mal Madonnenplatz, bis er schließlich wieder seinen heutigen Namen zurückbekam.

Auch die Armeen, die hier über das Pflaster marschiert sind, gaben sich die Klinke in die Hand: von den Bayern über die Österreicher, die Wehrmacht bis hin zum heutigen republikanischen Italien. Sogar Kaiser Franz Joseph, sein Nachfolger Karl I. mit Zita und später Mussolini wurden hier mit großen Feierlichkeiten empfangen. Wenn diese Steine reden könnten, hätten sie ordentlich was zu erzählen!

Berühmtes Denkmal auf dem Waltherplatz: Walther von der Vogelweide

Passens zum Namen Waltherplatz findest du in der Mitte die Statue des großen Dichters Walther von der Vogelweide. Das Denkmal wurde 1889 errichtet, war den Faschisten aber 1935 ein Dorn im Auge, weil es zu sehr an die deutsche Kultur erinnerte. Sie verbannten die Walther Statue daher kurzerhand in einen abgelegenen Park. Erst 1985 kehrte er nach großen Debatten an seinen rechtmäßigen Platz zurück. Wenn du genau hinschaust, siehst du, dass er nach Süden blickt – ein kleiner, stiller Gruß über die Sprachgrenzen hinweg.

Der Dom: Blickfang am Waltherplatz

Direkt am Rand des Platzes steht der Bozner Dom (Maria Himmelfahrt). Achte mal auf das Dach: Die gelb-grün-weiß glasierten Ziegel sind außergewöhnlich und untypisch für die Region. Die Bozener wollten mit dem bunten Dach zeigen, dass sie Geld haben – wer sonst kann sich so ein aufwändiges Dach leisten? Sie erinnern mich an die bunten Ziegel des berühmten Stephansdoms am Stephansplatz Wien. Ein kurzer Blick ins kühle Innere des Doms lohnt sich – die spätgotische Kanzel aus Sandstein ist ein echtes Meisterwerk. Hier findest du die Bilder dazu, plus alle Tipps für deinen Besuch im Dom Maria Himmelfahrt.

Genuss am Waltherplatz: Wo du den besten Platz findest

Klar, es ist verlockend: Die Cafés direkt am Platz bieten Logenplätze für das große „Sehen-und-Gesehen-werden“. Hier kannst du wunderbar Leute beobachten, während du deinen ersten Espresso genießt. Such dir das Café nach dem Sonnenstand aus: Das Stadt Hotel Città hat morgens die herrlichste Sonne, während man im Greif oder Walther’s wunderbar den Sonnenuntergang hinter den Bergen beobachten kann. Aber ein kleiner Insider-Tipp unter uns: Da du hier auf dem exklusivsten Pflaster der Stadt sitzt, sind die Preise auch die knackigsten in ganz Bozen. Wenn du das volle Flair willst, ohne dich wie ein Tourist zu fühlen, solltest du einen Blick in den Innenhof vom Palais Campofranco werfen – und zum Essen und Trinken gibt es in den Seitengassen weit bessere Möglichkeiten.

Wann der Waltherplatz am schönsten ist:

Der Platz ist ein Verwandlungskünstler. Je nachdem, wann du kommst, zeigt er ein völlig anderes Gesicht. Diese drei Termine solltest du dir aber rot im Kalender markieren:

  • Frühlingsgefühle beim Blumenmarkt: Ende April bis Anfang Mai wird der „Walther“ zu einem riesigen, duftenden Blütenmeer. Die Gärtner der Region übertrumpfen sich gegenseitig – ein Muss für jeden, der Pflanzen liebt.
  • Erntedank & Herbstmarkt: Im Oktober wird es rustikal. Dann stehen hier die Bauern der Umgebung mit ihren Äpfeln, Trauben und Speck-Spezialitäten.
  • Magie im Winter beim Christkindlmarkt: Ja, es wird voll, und ja, es ist der Klassiker schlechthin. Aber wenn der Duft von heißem Glühwein, Zimt und gebrannten Mandeln in der Luft liegt, die Lichterketten glitzern und der Dom im Hintergrund beleuchtet ist, hat das eine Magie, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Wo ist der Waltherplatz in Bozen?

Waltherplatz Bilder

Die Statue von Walther von der Vogelweide ist das zentrale Bauwerk am Waltherplatz
Die Statue von Walther von der Vogelweide ist das zentrale Bauwerk am Waltherplatz
Blick vom Brunnen am Waltherplatz Richtung Hotel Greif
Blick vom Brunnen am Waltherplatz Richtung Hotel Greif
Der Waltherplatz in der Altstadt Bozen
Der Waltherplatz in der Altstadt Bozen
Cafes prägen das Leben auf dem Waltherplatz
Cafes prägen das Leben auf dem Waltherplatz
Der Waltherplatz in der Altstadt Bozen
Der Waltherplatz in der Altstadt Bozen

Mein persönlicher Tipp für dich:
Wenn du den Waltherplatz von seiner ruhigsten Seite erleben willst, komm am frühen Vormittag hierher. Während die Stadt langsam erwacht und die Sonne über die Dächer des Doms steigt, hat der Platz eine besondere Atmosphäre. Danach lohnt sich ein Besuch am Obstmarkt und natürlich in der berühmten Bozner Laubengasse. Noch mehr gute Tipps? – dann lies hier weiter über die Altstadt Bozen

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