Bindergasse

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Die Bindergasse in Bozen: Die Straße der Handwerker und Wirte

Die Bindergasse (italienisch: Via dei Bottai) ist eine der charmantesten Gassen in der Altstadt Bozen. Sie führt vom Rathaus Bozen in Richtung des alten Stadtausgangs nach Norden. Wenn du durch diese Gasse spazierst, fühlst du dich augenblicklich in das mittelalterliche Bozen zurückversetzt. Es heißt, dass das in der Bindergasse beliebte Südtiroler Kartenspiel „Watten“ bzw. speziell das „Perlaggen“ im Jahr 1833 im Gasthof „zum Pfau“ zum ersten Mal gespielt wurde.

Der Name der Gasse verrät bereits ihre ursprüngliche Bestimmung: Hier waren im Mittelalter die Binder (Fassmacher) ansässig. Da Bozen seit jeher eine bedeutende Weinstadt ist, war das Handwerk der Fassherstellung überlebenswichtig. Doch die Bindergasse war auch die wichtigste Einfahrtsstraße für alle Reisenden und Kaufleute, die von Norden über den Brenner kamen. Da man früher nicht spät nachts durch die Stadttore durfte, siedelten sich hier zahlreiche Gasthäuser an, in denen die Fuhrleute einkehren und ihre Pferde unterstellen konnten.

Die prächtigen Wirtshausschilder: Ein Markenzeichen

Achte beim Gehen unbedingt auf die Höhe der ersten Stockwerke. Die Bindergasse ist berühmt für ihre kunstvoll geschmiedeten, historischen Wirtshausschilder. Diese „Ausleger“ sind richtige Meisterwerke der Schmiedekunst und ragen weit in die Gasse hinein. Sie dienten früher als Orientierung für Reisende, die oft nicht lesen konnten – ein goldener Löwe oder ein weißes Rössl waren unmissverständliche Symbole für Gastlichkeit. Besonders beeindruckend sind die Schilder des Hotel Luna Mondschein und des traditionsreichen Gasthofs Vögele.

Die Stimmung der Bindergasse hat mich an die vielen kleinen Fachwerkhäuser in der Altstadt Bernkastel-Kues erinnert. Auch die Reichenstraße in der Altstadt Füssen kann es von der Stimmung her mit der Bindergasse aufnehmen.

Kulinarische Institutionen: Wo Bozen wie früher isst

In der Bindergasse findest du einige der authentischsten Einkehrmöglichkeiten der Stadt.

  • Gasthof Vögele: Dies ist eine echte Bozner Institution. In den holzgetäfelten Stuben wurde schon Weltgeschichte geschrieben; sogar der Freiheitskämpfer Andreas Hofer soll hier verkehrt haben. Hier isst du klassische Südtiroler Küche wie Knödel oder Schlutzkrapfen auf höchstem Niveau.
  • Wirtshaus Löwengrube: In einem der ältesten Häuser der Stadt untergebracht (das Fundament stammt aus dem 13. Jahrhundert), bietet die Löwengrube eine Mischung aus historischem Ambiente und einer exzellenten Weinauswahl.
  • Batzen Häusl: Ein Stück weiter findest du dieses urige Wirtshaus, das besonders für sein junges, lebendiges Publikum und das selbstgebraute Bier bekannt ist.

Das Naturmuseum Südtirol: Ein herrschaftliches Ende

Am nördlichen Ende der Bindergasse triffst du auf ein imposantes Gebäude: das ehemalige Landamt, in dem heute das Naturmuseum Südtirol untergebracht ist. Es ist der perfekte Ort, wenn du mehr über die geologische Entstehung der Dolomiten erfahren willst. Das Gebäude selbst mit seinen massiven Mauern und dem schönen Innenhof markiert den Übergang von der engen Altstadt zu den offeneren Vierteln im Norden.

Wo ist die Bindergasse Bozen?

Bilder Bindergasse Bozen

Die Bindergasse in der Altstadt Bozen
Die Bindergasse in der Altstadt Bozen
Südtiroler Spezialitäten in der Bindergasse
Südtiroler Spezialitäten in der Bindergasse

Mein persönlicher Rat für dich:
Die Bindergasse ist besonders am Abend schön. Wenn die Tagestouristen weg sind und die historischen Schilder beleuchtet werden, entfaltet die Gasse eine tolle Atmosphäre. Such dir einen Platz in einer der Fensternischen im Vögele und beobachte bei einem Glas St. Magdalener das Treiben draußen. Hier spürst du den Geist der alten Handelsstadt Bozen am intensivsten. Von hier kommst du direkt in die berühmteste Gasse der Stadt, die Laubengasse.

Die häufigsten Fragen zur Bindergasse Bozen

Woher kommt der Namen Bindergasse?

Der Name leitet sich vom Handwerk der Fassbinder (Böttcher oder Küfer) ab. Diese stellten Zuber, Fässer und Bottiche her, die für den Weinhandel der Stadt essenziell waren.

Seit wann trägt die Bindergasse in Bozen diesen Namen?

Der heutige Name „Bindergasse“ setzte sich vermutlich erst im 18. Jahrhundert durch. Zuvor war sie über lange Zeit als „Wangergasse“ oder „Wagnergasse“ bekannt.

Welches ist das älteste Gasthaus der Stadt in der Bindergasse?

Das „Weiße Rössl“ bezeichnet sich heute als das älteste bestehende Gasthaus Bozens. Ein noch älteres, der „Pfau“, wurde 2009 geschlossen.

Was hat Andreas Hofer mit der Bindergasse zu tun?

Der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer war im Jahr 1810 zusammen mit Peter Mayr kurzzeitig im St.-Afra-Haus inhaftiert, das damals als Gefängnis diente.

Was ist der „Bindertanz“?

Dies ist ein historischer Zunfttanz der Fassbinder, der 1769 erstmals erwähnt wurde und heute noch zu besonderen Anlässen in Bozen aufgeführt wird.

Welches Kartenspiel wurde in der Bindergasse erfunden?

Es heißt, dass das beliebte Südtiroler Kartenspiel „Watten“ bzw. speziell das „Perlaggen“ im Jahr 1833 im Gasthof „zum Pfau“ zum ersten Mal gespielt wurde.

Darf man mit dem Auto durch die Bindergasse fahren?

Die Bindergasse ist heute Teil der Bozner Fußgängerzone. Die Durchfahrt ist in nördlicher Richtung nur für Taxis, Zulieferer und Anrainer zu bestimmten Zeiten gestattet.

Gibt es nur in Bozen eine Bindergasse?

Nein, auch in anderen Städten gibt es eine Bindergasse – zum Beispiel in der Altstadt Nürnberg oder auch in Graz unterhalb des Schlossbergs.

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