Obstmarkt

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Der Bozner Obstmarkt: Täglich frisch seit Jahrhunderten

Der Obstmarkt (italienisch: Piazza delle Erbe) ist der farbenfrohste und lebendigste Ort in der Altstadt Bozen. Während der Waltherplatz die Eleganz und die Laubengasse die klassischen Geschäft repräsentieren, schlägt hier am Obstmarkt das kulinarische Herz der Stadt. Es ist ein Ort für die Sinne: Hier vermischen sich die Düfte von frischem Bergkäse, reifen Südtiroler Äpfeln und mediterranen Kräutern zu einer ganz besonderen Atmosphäre.

Außer an Sonn- und Feiertagen findet hier jeden Tag der Bozner Obstmarkt statt – und das schon seit über 800 Jahren. Er liegt am westlichen Ende der Lauben und bildet den Übergang zur schmalen Museumstraße. Die fest installierten Marktstände mit ihren charakteristischen grünen Dächern sind ein Wahrzeichen der Stadt. Früher wurde hier streng nach Waren getrennt gehandelt, heute findest du eine bunte Mischung aus regionalem Obst, Gemüse, Blumen, Nüssen und feinsten Südtiroler Delikatessen.

Gabelwirt oder Neptunbrunnen?

Inmitten des Markttreibens steht der Neptunbrunnen. Da der Neptun einen Dreizack hat, wird er von den Boznern scherzhaft „Gabelwirt“ genannt. Er wurde 1777 erbaut und zählt zu den markantesten Brunnen der Stadt. Neptun thront mit seinem Dreizack über drei Bronzedelfinen, aus denen das Wasser sprudelt. Ursprünglich diente der Brunnen nicht nur der Verschönerung, sondern war eine lebenswichtige Trinkwasserquelle für die Marktbesucher und Händler. Interessanter Fakt am Rande: Der Brunnen steht an der Stelle des ehemaligen mittelalterlichen Prangers – heute ist er zum Glück nur noch ein beliebter Treffpunkt für ein Erinnerungsfoto.

Was gibt es auf den Obstmarkt in Bozen?

Das Angebot besteht aus frischen Erzeugnissen der umliegenden Bergbauernhöfe und mediterranen Importen. Je nach Jahreszeit gibt es Obst und noch mehr leckere Dinge: Im Frühsommer leuchten hier die Bozner Erdbeeren, danach kommen die aromatischen Marillen aus dem Vinschgau, während im Herbst die Vielfalt der Apfelsorten und die ersten frisch gesammelten Kastanien den Ton angeben. Das ganze Jahr bekommst du hier echten, handwerklich hergestellten Südtiroler Speck, der über Buchenholz geräuchert wurde. Die Händler schneiden dir gerne ein „Malerl“ (ein Probierstück) ab, damit du den Unterschied zwischen mildem und kräftigem Speck selbst erschmecken kannst.

Auch zum Angebot gehört die Auswahl an Kaminwurzen – luftgetrocknete Rohwürste aus Schweine-, Rind- oder sogar Hirschfleisch. Direkt daneben findest du eine Vielfalt an Almkäsen, die von milden Schnittkäsen bis hin zum würzigen Stilfser g.u. reichen. Für das authentische Picknick darf das Schüttelbrot nicht fehlen; achte hier auf die handgeschüttelten Varianten, die besonders mürbe und geschmacksintensiv sind. Neben den herzhaften Klassikern lockt der Markt mit einer riesigen Auswahl an getrockneten Früchten, kandierten Nüssen und handgemachten Senfsaucen, die perfekt zu Käseplatten passen. Wer es floristisch mag, wird an den prachtvollen Blumenständen am Ende des Marktes fündig.

Mein Insider-Tipp:
Schau gezielt nach den Ständen, die eingelegte Steinpilze oder Pfifferlinge aus den heimischen Wäldern anbieten. Diese Gläser sind geschmacklich eine absolute Offenbarung und das perfekte Souvenir, das dich auch zu Hause noch an deinen Urlaub in Bozen erinnert.

Wie sind die Öffnungszeiten auf dem Obstmarkt Bozen?

Der Markt findet traditionell von Montag bis Samstag statt. Die Händler beginnen meist schon früh am Morgen mit dem Aufbau, sodass du bereits ab 7:00 oder 8:00 Uhr die erste frische Ware begutachten kannst. Beachte unbedingt, dass der Obstmarkt am Samstag bereits um 13:00 Uhr schließt.

WochentagObsmarkt Bozen Öffnungszeiten
Montag bis Freitag07:00 / 08:00 – 19:00 Uhr
Samstag07:00 / 08:00 – 13:00 Uhr
Sonn- und FeiertageGeschlossen

Die Atmosphäre: Wo sich Bozen zum Aperitivo trifft

Der Obstmarkt ist nicht nur ein Verkaufsplatz. Er ist ein sozialer Knotenpunkt. Besonders am späten Vormittag oder zum Feierabend füllen sich die umliegenden Bars und Gasthäuser. Rund um den Platz findest du traditionsreiche Adressen wie das Hopfen & Co., wo das eigene „Bozner Bier“ gebraut wird, oder kleine Vinotheken, in denen du ein Glas Lagrein direkt am Tresen trinken kannst. Es ist genau diese Mischung aus dem geschäftigen Treiben der Marktleute und der entspannten Lebensart der Besucher, die den Obstmarkt so unwiderstehlich macht.

Lohnt sich der Bozner Obstmarkt?

Wenn du den Unterschied zwischen einem handgeschüttelten Schüttelbrot und der Supermarktware schmecken willst oder echten Almkäse direkt vom Stand suchst, ist der Markt ein Paradies. Das „Malerl“ (die Kostprobe) vom Speck gehört hier zum guten Ton. Während der Waltherplatz oft wie eine schicke Kulisse wirkt, ist der Obstmarkt echtes Leben. Das laute Markttreiben, das Klappern der Kisten und das Stimmengewirr aus Deutsch und Italienisch sind absolut authentisch.

Der Obstmarkt ist kein Billigmarkt. Es ist ein Genussmarkt, kein Discounter. Es gibt Einheimische, die sich wundern, warum keine richtigen Bauern mehr an den Ständen stehen, sondern Händler aus fernen Ländern. Mich persönlich hat der Bozner Obstmarkt sehr stark an den Naschmarkt in Wien erinnert – es ist ein Markt, der gleichzeitig eine Sehenswürdigkeit geworden ist.

Wo ist der Obstmarkt Bozen?

Bilder Obstmarkt Bozen

Der Bozner Obstmarkt in der Altstadt
Der Bozner Obstmarkt in der Altstadt
Das Angebote auf dem Bozner Obstmarkt reicht von Obst und Gemüse bis zu Wein, Schnaps, Speck und Blumen
Auf dem Obstmarkt Bozen kannst den Südtiroler Speck probieren - und kaufen
Auf dem Obstmarkt Bozen kannst den Südtiroler Speck probieren – und kaufen

Meine persönlichen Insider-Tipps
Mein Rat: Hol dir eine Tüte frisch geröstete Maroni (im Winter) oder eine Schale Obst und setz dich für einen Moment an den Neptunbrunnens, um das Spektakel einfach nur zu beobachten. Falls du den sehenswerten Kreuzgang besuchen willst, hast du es von hier nicht weit ins Franziskanerkloster. Wenn dir das Gewusel direkt am Neptunbrunnen zu groß wird, wirf einen Blick in die kleinen Gassen, die vom Obstmarkt abzweigen. In der Goethestraße oder Richtung Dr.-Streiter-Gasse findest du kleinere Läden, in denen die Einheimischen ihren täglichen Bedarf decken. Ein absolutes Muss ist auch der Blick in die traditionsreichen Metzgereien rund um den Markt – dort hängen die Schinken oft noch wie vor hundert Jahren an der Decke.

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